Universitätsklinik für Neurologie

Epileptologie

Stationäre Epilepsiediagnostik und Behandlung

Einer der Behandlungsschwerpunkte der Neurologischen Universitätsklinik in den RKU - Universitäts- und Rehabilitationsklinken Ulm ist die Epileptologie. Das stationäre Diagnostik- und Therapieangebot umfasst neben der Routine-EEG und der MRT-Diagnostik mit einem auf epileptologische Fragestellungen speziell abgestimmten Programm zusätzlich die Möglichkeit der 24h-EEG-Ableitung ohne zusätzliche Videodokumentation (mobiles Langzeit-EEG) und das Video-EEG-Monitoring zur prächirurgischen Epilepsiediagnostik und zur differentialdiagnostischen Klärung unklarer paroxysmaler Ereignisse. Das differentialdiagnostische Programm wird zudem zur Abgrenzung kardiovaskulärer orthostatischer Dysregulationen durch die polygraphische Kipptischuntersuchung erweitert. Ferner können schwierige Medikamentenumstellungen, die ambulant nicht durchgeführt werden können, im Rahmen eines stationären Aufenthaltes vorgenommen werden.

Ansprechpartner für spezielle Fragestellungen:
Herr Prof. Dr. H. Lerche
Oberarzt
Neurologische Klinik der Universität Ulm im RKU
Fax 0731 177-1202
e-mail: Holger.Lerche@uni-ulm.de

Frau Dr. Y. Weber
E-Mail: yvonne.weber@uni-ulm.de

Terminabsprachen für eine Aufnahme zur Medikamentenumstellung bzw. allgemeinen Diagnostik erfolgen über den aufnehmenden Oberarzt, der telefonisch über die Pforte des RKU erreichbar ist (Telefon 0731 177-0).

Für die Aufnahme zu einem Video-EEG-Monitoring oder LZ-EEG mit Kipptischdiagnostik wenden Sie sich bitte direkt an die Video-EEG-Diagnostikeinheit:
Frau S. Boschka
Telefon 0731 177-1230
E-Mail: eeg.monitoring@rku.de

Prächirurgische Epilepsiediagnostik und operative Epilepsietherapie

Wird bei einer schwer zu behandelnden Epilepsie trotz Ausschöpfung der Möglichkeiten einer Behandlung mit Medikamenten Anfallsfreiheit nicht erreicht (Therapieresistenz wird definiert als das Nicht-Ansprechen auf zwei Standard-Antiepileptika in ausreichender Dosierung, s.u.), sollte geprüft werden, ob es eine chirurgische Möglichkeit der Behandlung gibt. Voraussetzung dafür ist, dass es sich um eine Epilepsieform handelt, die zu den "fokalen Epilepsien" gerechnet wird und bei der die Anfälle in einer umschriebenen Hirnregion entstehen. So genannte generalisierte Epilepsien, bei denen schon zu Beginn des epileptischen Anfalles beide Großhirnhälften in das Anfallsgeschehen miteinbezogen sind, sind chirurgisch nicht behandelbar, das heißt Anfallsfreiheit kann durch einen epilepsiechirurgischen Eingriff nicht erreicht werden. Ob im Einzelfall eine operative Behandlungsmöglichkeit besteht, kann in der Regel nur nach aufwendigen Voruntersuchungen entschieden werden.

Zu den notwendigen "Basisuntersuchungen" gehören:

  • ein Video-EEG-Langzeitmonitoring
  • eine spezielle Kernspinuntersuchung des Gehirns, die umfangreicher ist als die üblicherweise durchgeführte Standarduntersuchung und die sich an der Epilepsieform orientieren muss
  • eine neuropsychologische Untersuchung

Abhängig von den bei diesen Untersuchungen gewonnenen Erkenntnissen können weitere Zusatzuntersuchungen notwendig werden, um zu einem Behandlungsvorschlag zu kommen. Ziel dieser präoperativen Diagnostik ist es, die Hirnregion zu identifizieren, die für die "Fehlfunktion: epileptischer Anfall" verantwortlich ist, und zugleich die Risiken abzuschätzen, mit denen eine Operation verbunden wäre.

Nebenwirkungen und Komplikationen bei Medikamentenbehandlungen bilden sich in der weit überwiegenden Zahl der Fälle nach Absetzen des entsprechenden Medikamentes wieder zurück. Nach operativen Eingriffen sind auftretende Komplikationen und "Nebenwirkungen" in einem größeren Umfang nur eingeschränkt rückbildungsfähig. Es besteht deshalb international in den epilepsiechirurgisch tätigen Zentren Einigkeit darüber, dass ein epilepsiechirurgischer Eingriff eine nachgeordnete Behandlungsform ist. Erst wenn eine ausreichende Behandlung mit Medikamenten die epileptischen Anfälle nicht ausreichend kontrolliert, spricht man in der medizinischen Fachsprache von Pharmakoresistenz, die als Voraussetzung für einen epilepsiechirugischen Eingriff gefordert wird. Die Minimalbedingung, die für das Vorliegen von "Pharmakoresistenz" gefordert wird, ist derzeit wie folgt definiert: Pharmakoresistenz liegt dann vor, wenn mindestens zwei Monotherapien mit Antiepileptika der 1. Wahl und eine Kombinationstherapie dieser beiden Antiepileptika nicht zur Anfallsfreiheit führen oder mit intolerablen Nebenwirkungen einhergehen.

Da epileptische Anfälle auch ein Symptom von fortschreitenden Erkrankungen des Gehirns sein können (z.B. von Hirntumoren), welche aus diesem Grund operiert werden sollten, sind nach dem erstmaligen Auftreten von epileptischen Anfällen sorgfältige Untersuchungen notwendig, um eine solche Erkrankung zu diagnostizieren und eine dementsprechende Behandlung einleiten zu können.

Beim Vorliegen einer seit längerem bestehenden und durch Medikamente nur unzureichend zu kontrollierenden Epilepsie raten wir in der Epilepsieambulanz allen Epilepsiepatienten mit einer fokalen Epilepsie zu einer prächirurgischen Basisdiagnostik. Dabei ist immer wieder zu betonen, dass die Entscheidung für diese aufwendigere Diagnostik nicht "automatisch" auch die Entscheidung für eine Operation ist. Erst wenn die Möglichkeiten mit den jeweiligen Erfolgsaussichten und Risiken einer operativen Behandlung abschätzbar werden, kann sich der einzelne Patient fundiert für oder gegen eine solche Behandlung entscheiden.

Im Epilepsiezentrum Ulm kann eine präoperative Diagnostik in der Neurologischen Klinik im RKU und eine Operation in der Neurochirurgischen Klinik des Bezirkskrankenhauses Günzburg durchgeführt werden. Beratungen zur Indikation einer präoperativen Diagnostik sind in der Epilepsieambulanz möglich.

Video-EEG-Langzeitmonitoring

Zur prächirurgischen Epilepsiediagnostik ist ein Video-EEG-Langzeitmonitoring notwendig, um den Zusammenhang zwischen den klinisch zu beobachtenden Anfällen und den Hirnströmen im EEG herzustellen und damit den Ursprungsort der Anfälle im Gehirn zu bestimmen.

Daneben ist eine Langzeituntersuchung häufig hilfreich, um zu entscheiden, ob es sich bei bestimmten "Anfällen" tatsächlich um eine Epilepsie handelt (differentialdiagnostische Untersuchung). "Anfälle haben" mit oder ohne Bewusstseinsstörung und verschiedenen Symptomen bedeutet noch nicht "Epilepsie". Gelegentlich ist es schwierig, nach den berichteten Beobachtungen der Anfälle zu entscheiden, ob es sich einem epileptischen oder um einen nichtepileptischen Anfall handelt. In solchen Fällen sollte bei entsprechender Anfallshäufigkeit ein Video-EEG-Langzeitmonitoring in Erwägung gezogen werden.

Zu einer solchen Untersuchung ist eine stationäre Aufnahme notwendig. Es wird dann über mehrere Tage eine kontinuierliche Videobeobachtung durchgeführt und gleichzeitig ein EEG abgeleitet. Dazu werden Elektroden mit einem speziellen Material (Kollodium) auf die Kopfhaut aufgeklebt. Die Elektroden werden nach Beendigung der Untersuchung (je nach Häufigkeit der Anfälle nach einem Zeitraum von bis zu einer Woche) wieder entfernt. Diese Untersuchung eröffnet die Möglichkeit, einerseits die einzelnen Anfallssymptome im Video genau zu analysieren und zugleich die begleitenden EEG-Veränderungen aufzuzeichnen. Darüber hinaus kann das EEG zwischen den Anfällen im Wachzustand und im Schlaf analysiert werden. Wenn mit Elektroden auf dem Kopf (so genannten Extrakraniellen Elektroden) die Lokalisation des Anfallsursprungs nicht sicher gelingt, können in manchen Fällen in einem zweiten Schritt Elektroden direkt in das Gehirn eingepflanzt werden (so genannte Intrakranielle Elektroden), mit denen man dann versucht, die Hirnregion genau zu bestimmen, von der die Anfälle ausgehen.

Bei vielen Epilepsieformen sind EEG-Veränderungen, die auf eine Epilepsie hindeuten, selten. Das normalerweise in der neurologischen Praxis abgeleitete EEG erfasst in der Regel nur eine Momentaufnahme des Wachzustandes und zum Teil auch Phasen der Ermüdung. Ein nach so genanntem "Schlafentzug" abgeleitetes EEG erweitert die diagnostischen Möglichkeiten. Aber vielen Patienten gelingt es auch unter diesen Bedingungen nicht, einzuschlafen und tiefere Schlafstadien zu erreichen. In der Langzeituntersuchung werden auch die tiefen Schlafphasen erfasst, so dass eine genauere Aussage zu den EEG-Veränderungen zwischen den Anfällen gemacht werden kann.

Download: Merkblatt für den Patienten (PDF)

Download: Merkblatt für den Arzt (PDF)