Universitätsklinik für Orthopädie

Inhaltsübersicht

Einleitung

Bei durch Fehlstellungen oder Fehlformen drohendem vorzeitigen Gelenkverschleiss zielt die gelenkerhaltende Chirurgie auf eine Verbesserung der Biomechanik des betroffenen Gelenks, wodurch Gelenkbeschwerden reduziert und das Voranschreiten des Gelenkverschleisses vermindert werden. Da trotz zahlreicher Fortschritte in der Endoprothetik mittlere Prothesenstandzeiten auf bisher etwa 15 bis 20 Jahre limitiert bleiben, spielt die gelenkerhaltende Hüftchirurgie in der Versorgung jüngerer Erwachsenen eine bedeutende Rolle.

Ansprechpartner

  • Ärztl. Direktor Prof. Dr. med. Heiko Reichel
  • Oberarzt Dr. med. Christian Fraitzl
  • Geschäftsführender Oberarzt Priv.-Doz. Dr. med. Manfred Nelitz

Krankheitsbilder

Die gelenkerhaltende Hüftchirurgie beschäftigt sich mit zwei Abweichungen von der Norm: dem „zu wenig" und dem „zu viel" der knöchernen Formgebung des Hüftgelenks. Beiden Formen ist gemein, dass sie unbehandelt einen vorzeitigen Gelenkverschleiss (eine sog. Hüftgelenkarthrose) herbeiführen können.

Ein „zu wenig" der knöchernen Hüftgelenkspfanne (als Hüft-, Hüftpfannen- oder Pfannendachdysplasie bezeichnet) führt zu einer erhöhten Druck- und Scherbelastung des knöchernen und weichteiligen Pfannenrandes, die sich zunächst als Schmerzen äussern und u.U. einen sehr raschen Gelenkverschleiss einleiten kann. Der Zusammenhang zwischen knöcherner Minusvariante der Hüftgelenkspfanne und Hüftgelenkarthrose-Entwicklung ist seit langem bekannt.

Ein „zu viel" der knöchernen Hüftgelenkspfanne oder des Oberschenkelknochenanteils, der mit der Hüftgelenkspfanne in Verbindung steht, beeinträchtigt das normale Bewegungsspiel des Hüftgelenks und führt zu Kollisionen zwischen Oberschenkelknochen und Hüftgelenkspfanne (dem sog. femoroazetabulären Impingement). Neben der bemerkten Bewegungseinschränkung treten in Abhängigkeit von der Häufigkeit solcher Kollisionen und der dabei auftretenden Krafteinwirkung Hüftgelenksschmerzen auf, die mit einem raschen Verschleiss des Hüftgelenkknorpels vergesellschaftet sein können. Der Zusammenhang zwischen femoroazetabulärem Impingement und Hüftgelenkarthrose-Entwicklung ist erst seit 10 bis 15 Jahren genauer bekannt und hat die Entwicklung darauf abgestimmter Behandlungsmethoden möglich gemacht.

Häufig behandelte Erkrankungen:

Sprechstundentermine

  • Dienstags von 13:00 bis 16:30 Uhr
  • Einen Sprechstundentermin können Sie zeitnah durch einen Anruf bei unserem Patientenservice unter der Nummer 0731 – 177-2000 erhalten. 
  • Anlässlich Ihrer Vorstellung in unserer Sprechstunde sollten Sie alle Unterlagen inklusive Bildgebung (auch im Verlauf) mitbringen, um Doppeluntersuchungen und Verzögerungen zu vermeiden.

Hüftdysplasie

Die operative Therapie der Pfannendachdysplasie zielt auf eine Reduktion der Druck- und Scherbelastung des knöchernen und weichteiligen Pfannenrandes. Hierzu führen wir eine Dreifach-Beckenosteotomie (die sog. Triple-Osteotomie nach Tönnis und Kalchschmidt) durch, bei der die Hüftgelenkspfanne aus dem Beckenknochen durch drei „Knochenschnitte" herausgelöst, in eine biomechanisch günstigere Position gedreht und in dieser mit Schrauben fixiert wird. Dieser Eingriff zieht eine verbesserte Hüftkopfüberdachung nach sich.

Abbildung 1

Abbildung 2

Abb. 1 und 2: Verbesserung der Hüftkopfüberdachung durch eine Triple-Osteotomie bei einer Pfannendachdysplasie des linken Hüftgelenks.

In besonders gelagerten Fällen muss dieser Eingriff mit einer sog. intertrochantären Osteotomie, einem „Knochenschnitt" am Oberschenkelknochen, verknüpft werden, um eine noch günstigere Biomechanik für das betroffene Hüftgelenk zu erzielen.

Abbildung 3

Abbildung 4

Abb. 3 und 4: Verbesserung der Hüftkopfüberdachung durch eine Triple-Osteotomie, die um eine intertrochantäre Osteotomie am Oberschenkelknochen ergänzt wurde, um eine günstigere Biomechanik des betroffenen Hüftgelenks zu ermöglichen.

Femoroazetabuläres Impingement

Die operative Therapie des femoroazetabulären Impingements zielt auf eine Reduktion der Plusvariante eines knöchernen Formfehlers des Hüftgelenks. Er kann auf der Seite der Hüftgelenkspfanne, des Oberschenkelknochens oder beiden Seiten zu finden sein. Bei einfacher gelagerten Fällen kann er über eine Hüftgelenksspiegelung (Hüftarthroskopie) korrigiert werden, bei komplizierten Fällen ist ein Ausrenken des Hüftgelenks (sog. chirurgische Hüftluxation) nötig, um alle Aspekte des Formfehlers adäquat behandeln zu können. In besonders gelagerten Fällen kann auch eine Korrektur der Hüftpfannenposition über eine Triple-Osteotomie, wie sie oben für die Hüftdysplasie beschrieben ist, nötig sein.

Der „Goldstandard" in der Behandlung des femoroazetabulären Impingements stellt die chirurgische Hüftluxation dar. Nach dem Ausrenken des Hüftkopfs aus der Hüftgelenkspfanne ist eine optimale Sicht auf beide Gelenkpartner möglich, die eine sorgfältige Behandlung aller Aspekte eines femoroazetabulären Impingements erlaubt. Um den Hüftkopf aus der Hüftgelenkspfanne ausrenken zu können, ist in einem ersten Operationsschritt die Ablösung des grossen Rollhügels (Trochanter major) vom Oberschenkelknochen nötig (Trochanter-Flip-Osteotomie). Der abgelöste Trochanter major wird am Ende der Operation mit zwei Schrauben refixiert, um das Wiederanheilen zu ermöglichen.

Abbildung 5

Abbildung 6

Abb. 5 und 6 zeigen eine knöcherne Pulsvariante sowohl an Pfannenrand (durchgezogener Pfeil) als auch am Kopf/Hals-Übergang des Oberschenkelknochens (gestrichelter Pfeil), die über eine chirurgische Hüftluxation behandelt wurde. Für die chirurgische Hüftluxation ist die Ablösung des großen Rollhügels (Trochanter major) nötig, der am Ende des Eingriffs mit zwei Schrauben refixiert wird.

Bei der Hüftarthroskopie kann das Hüftgelenk mit speziellen Instrumenten über zwei bis vier Schnitte von etwa 1,5 bis 2 Zentimeter erreicht werden. Dies darf nicht darüber hinweg täuschen, dass im Gelenk grundsätzlich ähnliche Massnahmen durchzuführen sind wie bei der chirurgischen Hüftluxation. Bei muskelkräftigen Patienten oder dicken Gewebeschichten ist die Manövrierfähigkeit der eingeführten Instrumente eingeschränkt, weswegen in solchen Fällen ein offenes Vorgehen zielführender sein kann.

Abbildung 7

Abb. 7 zeigt einen arthroskopischen Blick in ein rechtes Hüftgelenk in das ein sog. Tasthaken eingeführt wurde, um die Knorpelbeschaffenheit (hier des Hüftkopfs) zu prüfen.

Andere Hüftgelenkserkrankungen

Auch andere Hüftgelenkserkrankungen können mit den vorgestellten Methoden, insbesondere der chirurgischen Hüftluxation und der Hüftarthroskopie, behandelt werden. Hierzu zählen beispielsweise freie Gelenkkörper oder synoviale Erkrankungen (Chondromatose, pigmentierte villonoduläre Synovialitis, u.a.).

Eigene Publikationen zum Thema

  • C.R. Fraitzl, H. Reichel, A.J. Aschoff, W. Freund:
    Radiäre MRT des Hüftgelenks zur Abklärung präarthrotischer Veränderungen im jungen Erwachsenenalter: ein Vergleich verschiedener Sequenzen.
    Z. Orthop. Unfall. (im Druck)

  • C.R. Fraitzl, T. Kappe, H. Reichel:
    Das femoroacetabuläre Impingement - eine häufige Ursache des Leistenschmerzes beim Sportler.
    Dtsch. Z. Sportmed. 61: 292-298, 2010

  • C.R. Fraitzl, M. Nelitz, B. Cakir, W. Käfer, H. Reichel:
    Transphysäre Fixation bei Epiphyseolysis capitis femoris: Hinweise für femoroazetabuläres Impingement im Langzeitverlauf.
    Z. Orthop. Unfall. 147: 334-340, 2009

  • C.R. Fraitzl, W. Käfer, M. Nelitz, H. Reichel:
    Radiological evidence of femoroacetabular impingement in mild slipped capital femoral epiphysis: A mean follow-up of 14.4 years after pinning in situ.
    J. Bone Joint Surg. (Br.) 89: 1592-1596, 2007

  • M. Nelitz, K.-P. Günther, S. Gunkel, W. Puhl:
    Reliability of radiological measurements in the assessment of hip dysplasia in adults.
    Br. J. Radiol. 72: 331-334, 1999