Universitätsklinik für Orthopädie

Inhaltsübersicht

Häufig behandelnde Knierkrankungen

Einleitung

Wir behandeln frische Verletzungen und Verschleißerscheinungen der Bänder, Menisken und des Knorpels am Kniegelenk. Dies beinhaltet angeborene und erworbene Fehlstellungen ebenso wie Knochenbrüche und deren Folgeerscheinungen. Die dabei angewendeten Operationstechniken umfassen arthroskopische Operationen (Gelenkspiegelung über kleine Hautschnitte, Schlüssellochoperationen) an Knorpel, Bändern und Menisken. Des Weiteren kommen Bandrekonstruktionen, Beinachsenkorrekturen sowie Teil- und Totalendoprothesen des Kniegelenkes als operative Behandlungsmaßnahmen in Frage.

Ansprechpartner

  • Geschäftsführender Oberarzt Priv.-Doz. Dr. med. Manfred Nelitz
  • Leitender Oberarzt Prof. Dr. med. Balkan Cakir

Sprechstundenzeiten

Sport- und Arthroskopiesprechstunde - montags von 8:00 bis 15:00 Uhr

Patientenservice unter der Nummer 0731 – 177-2000 erhalten.

Zur Vorstellung in der Sprechstunde sollten alle Unterlagen inklusive Bildgebung (auch im Verlauf) mitgebracht werden, um Doppeluntersuchungen oder Verzögerungen zu vermeiden

Meniskusriss / Meniskusschaden

Ein Meniskusriss kann die Folge eines Unfalles oder auch einer Verdrehbewegung beim Sport oder im Alltag sein. Er kann alleine oder begleitet von Knorpel- und Bandverletzungen auftreten. Je nach Art und Verlauf der Verletzung, wie lange der Unfall zurück liegt und welcher Teil des Meniskus betroffen ist, kann der Riss genäht werden. Ist dies möglich, muss das Kniegelenk geschont (Laufen an Unterarmgehstützen) und für einige Wochen eine Orthese („Kniehülse", „Knieschiene") getragen werden. Häufig ist aber eine Naht des gerissenen Meniskus nicht möglich und der gerissene Teil des Meniskus muss arthroskopisch reseziert werden. Anders als früher wird dabei nicht der gesamte Meniskus, sondern nur der abgerissene Teil entfernt, so dass die Funktion des Meniskus (Stoßdämpfer des Kniegelenks) größtenteils erhalten bleibt.

Abbildung 1

Abbildung 2

Abb. 1 und 2: Arthroskopische Bilder einer Auffaserung des Außenmeniskus vor (oben) und nach (unten) der Teilentfernung und Glättung.

Kreuzbandriss und andere Bandverletzungen des Kniegelenkes

Häufig führt ein Sportunfall mit einem Verdrehtrauma des Kniegelenkes zum Riss des vorderen Kreuzbandes. Meist ist eine Kreuzbandersatzoperation erforderlich. Dabei wird das gerissene Band vollständig entfernt und durch eine körpereigene Sehne, die über einen kurzen Hautschnitt von der Innenseite des Oberschenkels entnommen wird (Semitendinosussehne), ersetzt. Die Sehne wird durch Bohrkanäle am Kniegelenk in das Gelenk eingezogen und am Knochen befestigt. Abgesehen vom Hautschnitt für die Entnahme der Sehne wird die Operation arthroskopisch, also in Schlüssellochtechnik, durchgeführt. Nach der Operation wird für sechs Wochen eine Orthese („Kniehülse", „Knieschiene") angelegt und das Kniegelenk zunächst an Unterarmgehstützen geschont.

Liegen zusätzlich andere Verletzungen des Kniegelenkes vor, die operativ behandelt werden müssen, werden diese wenn möglich in gleicher Sitzung versorgt. Bei komplexen Verletzungen sind u.U. mehrere Operationen erforderlich.

Abbildung 3

Abb. 3: Arthroskopisches Bild eines intakten vorderen Kreuzbandes

Kniescheibenluxation (Patellaluxation) / Kniescheibeninstabilität

Kommt es beim Sport zu einer Kniescheibenausrenkung (meist bei Anpralltraumen), kann diese meist eingerenkt und ohne Operation durch vorübergehende Ruhigstellung behandelt werden, ohne dass langfristig Probleme auftreten. In einigen Fällen können bei einer frisch aufgetretenen Verletzung die Haltebänder der Kniescheibe genäht werden. Neigt die Kniescheibe wiederholt dazu auszurenken ist eine Operation erforderlich. Meist ist eine Bandrekonstruktion des Halteapparates der Patella (MPFL-Plastik) möglich, bei der eine körpereigene Sehne über einen kurzen Hautschnitt von der Innenseite des Oberschenkels entnommen (Gracilissehne) und über Bohrkanäle an der Kniescheibe befestigt wird. Auch hier wird zur Nachbehandlung eine Orthese („Kniehülse", „Knieschiene") angelegt und das Bein an Unterarmgehstützen geschont. Liegen dagegen angeborene Fehlstellungen des Ober- oder Unterschenkelknochens oder der Gleitrinne der Kniescheibe vor, sind evtl. zusätzliche Operationsmaßnahmen erforderlich (z.B. Versetzung des Kniescheibenbandansatzes oder Vertiefung der Gleitrinne der Kniescheibe (Tuberositas tibiae - Osteotomie, Trochleaplastik)). Die Nachbehandlung unterscheidet sich meist nicht wesentlich von der MPFL-Plastik.

Knorpelschaden

Je nach Ursache, Größe, Ausdehnung und Lokalisation des Knorpelschadens kommen unterschiedliche Behandlungsmethoden in Betracht. Neben nicht-operativen Therapiemaßnahmen wie Krankengymnastik, medikamentöse und Injektionstherapie können arthroskopische Operationen durchgeführt werden, bei denen der Knorpelschaden geglättet und evtl. durch das Setzen kleiner Knochenlöcher Knorpelersatzgewebe erzeugt werden kann (Mikrofrakturierung). Liegt gleichzeitig eine Achsabweichung des Beines vor, kann eine Achskorrektur erfolgversprechend sein (siehe weiter unten). Ist der Knorpelschaden zu ausgedehnt und liegt bereits eine Arthrose des Kniegelenkes vor, so bieten diese Verfahren keine ausreichende Aussicht auf Erfolg mehr.

Abbildung 4

Abb. 4: Arthroskopisches Bild eines Knorpelschadens an der Oberschenkelrolle.

O-Bein-Fehlstellung

Die häufigste Fehlstellung an der unteren Extremität ist ein sog. O-Bein. Durch eine Umstellungsoperation mittels eines „Knochenschnitts" am Schienbeinkopf kann die O-Bein-Fehlstellung korrigiert und die einwirkende Last gleichmässiger im Kniegelenk verteilt werden.

Abbildung 5

Abbildung 6

Abb. 5 und 6 zeigen eine Achskorrektur bei einem O-Bein und folgende Entlastung des inneren Gelenkspalts (Pfeile) eines rechten Kniegelenks durch eine aufklappbare Umstellungsoperation am Schienbein und Stabilisation durch eine sog. winkelstabile Platte.

Vor Durchführung einer Umstellungsoperation am Kniegelenk erfolgt häufig vorweg eine Kniegelenksspiegelung, um die Knorpelverhältnisse in den nichtbetroffenen Anteilen des Kniegelenks zu beurteilen und ggf. eine Ersatzknorpelbildung im geschädigten Areal zu initiieren. Hierfür können sog. Pridie-Bohrungen oder Mikrofrakturierungen zum Einsatz kommen, die die Einsprossung von Ersatzknorpel-bildenden Zellen aus dem Knochenmark begünstigen (siehe oben). Umstellungsoperationen können bei Bedarf aber auch mit einer Kniegelenkeröffnung und Verpflanzung eines Knorpel-Knochen-Zylinders von einer weniger belasteteten Stelle des Kniegelenks in das geschädigte Areal verknüpft werden (sog. Mosaikplastik oder OATS).

Korrektur von Achsfehlstellungen (Hemiepiphyseodese mit „eight plates“)

Angeborene und erworbene Fehlstellungen

Fehlstellungen des Kniegelenks – seien sie angeboren oder Folge eines Traumas – können zu Beschwerden und zum vorzeitigen Gelenkverschleiss (sog. Kniegelenkarthrose) führen.

X-Bein-Fehlstellung

Beim X-Bein bestehen spiegelbildlich zum O-Bein Möglichkeiten, die Beinachse zu korrigieren und den äusseren Kniegelenkspalt zu entlasten. Auch hier können Ersatzknorpel-bildende, arthroskopische Massnahmen der eigentlichen Umstellungsoperation mittels „Knochenschnitt" vorangehen.

Andere Fehlstellungen des Kniegelenks

Neben den häufigen O- und X-Bein-Deformitäten gibt es noch andere Fehlstellungen, die zu einer vorzeitigen Arthrose-Entwicklung in den unterschiedlichen Kniegelenksregionen führen können. Dementsprechend kommen neben der oben beschriebenen bzw. gezeigten Umstellungsoperation noch andere kniegelenkerhaltende Operationen zum Einsatz. In der Behandlung von Fehlbildungen des Teilgelenks, welches zwischen Kniescheibe und Oberschenkel gebildet wird, kommen Operationen in Betracht, bei denen der Ansatzpunkt des Kniescheibenbandes versetzt (sog. Tuberositas tibiae - Osteotomie) oder/und die Gleitrinne der Kniescheibe im Oberschenkelknochen optimiert wird (sog. Trochleaplastik) (siehe auch weiter oben).

Operative Behandlung der Patellaluxation (MPFL-Rekonstruktion, Trochleaplastik)

Eigene Publikationen zum Thema

Nelitz M, Dornacher D, Wölfle J, Reichel H, Lippacher S:
Analysis of failed surgery for patellar instability in children with open growth plates
Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2011 Jul 6. (Epub ahead of print)

Lippacher S, Reichel H, Nelitz M:
Radiological criteria for trochlear dysplasia in children and adolescents
J Pediatr Orthop B 2011 Sep;20(5):341-4.

Nelitz M, Dornacher D, Dreyhaupt J, Reichel H, Lippacher S:
The relation of the distal femoral physis and the medial patellofemoral ligament
Knee Surg Sports Traumtol Arthrosc. 2011 19:2067-2071

Jöckel J, Reichel H, Nelitz M:
Correction of knee deformity in patients with Ellis-van-Creveld syndrome: A case report
and review of the literature
The Knee 2011 April 4 (Epub ahead of print)

Lippacher S, Dejour D, Elsharkawi M, Dornacher D, Ring C, Dreyhaupt J, Reichel H, Nelitz M:
Observer agreement on D. Dejour's trochlear dysplasia classification. A comparison of
the true lateral radiographs to axial MR images.
Am J Sports Med. Jan 2012 (Epub ahead of print)