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Stand: 20.06.2017

Kniegelenksarthrose

Auf dieser Seite erhalten Sie Informationen zur Arthrose des Kniegelenks und deren Behandlung. Bitte beachten Sie in diesem Zusammenhang auch die allgemeinen Informationen zum Thema Arthrose und Gelenkersatz.

Aufbau des Kniegelenkes

Wenn wir gehen, stehen, hocken oder sitzen, bewegen wir das größte Gelenk des Körpers: das Kniegelenk. Es verbindet den Oberschenkelknochen mit dem Schienbein, die artikulierenden Gelenkflächen sind dabei die Oberschenkelrolle und der Schienbeinkopf. Ein Teil des Kniegelenks wird durch die Kniescheibe gebildet, die als Unterstützpunkt für die Kraftentwicklung der Quadrizepsmuskulatur dient. Das Kniegelenk kann im Wesentlichen nur in einer Ebene (Streckung/Beugung) bewegt werden. Nur am gebeugten Knie ist noch eine minimale Rotationsbewegung des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel möglich. Als Gleitfläche sind die Gelenkpartner mit Knorpel überzogen, das Gelenk wird durch eine Kapsel abgedichtet, innerhalb derer zur Reduktion des Widerstandes und der Ernährung des Knorpels Gelenkschmiere durch die Gelenkinnenhaut gebildet wird. Ähnlich einem Stoßdämpfer wirkt dieses hydraulische Prinzip und wird unterstützt durch die Menisci: halbmondförmige knorpelige Scheiben, die innen und außen zwischen den Gelenkflächen liegen.

  1. Streckmuskulatur des Oberschenkels
  2. Kniescheibe (Patella)
  3. Oberschenkelknochen (Femur)
  4. Meniskus 
    (halbmondförmiger Faserknorpel)
  5. Patellasehne
  6. Wadenbein (Fibula)
  7. Schienbein (Tibia)

 

Kniearthrose

Die Arthrose ist ein meist altersbedingter Verschleiß eines Gelenkes, bei dem es zu einem Knorpelabrieb kommt. Die Abriebpartikel verursachen eine Entzündungsreaktion, die zu vermehrter Schmierflüssigkeitsbildung führt. Zudem wirkt die Entzündung ab einem gewissen Grade selbst knorpelzerstörend, was zu noch mehr Knorpelzersetzung führt. Außerdem reagiert der Knochen auf die zunehmende Belastung zunächst mit stärkerer Verkalkung (Sklerosierung). Später wird er in die selbstzerstörende Entzündungsreaktion mit einbezogen. Es wird Knochen abgebaut und Zysten entstehen. Dafür bildet der Körper am Gelenkrand knöcherne Anbauten (Osteophyten), um das zerstörte Gelenk langfristig zu versteifen und damit den Schmerzzustand zu beenden.

Die Arthrose verläuft also in verschiedenen Stadien, die gut auf dem Röntgenbild sichtbar und zu beurteilen sind, weshalb das Röntgenbild das wichtigste Diagnostikum bezüglich der Arthrose ist.

Die Erkrankung läuft wellenförmig ab, so dass auf stärkste Schmerzzustände durchaus Intervalle folgen können, die absolut schmerzfrei sind. Die Häufigkeit der Schmerzzustände nimmt aber im Verlauf der Erkrankung im selben Maße zu, wie sich die Dauer des beschwerdefreien Intervalls verkürzt.

Die wichtigste Botschaft in diesem Zusammenhang ist, dass Arthrose nicht heilbar ist und der Verlauf oft nur symptomatisch (lindernd) zu beeinflussen ist. Das heißt, wenn die Erkrankung soweit fortgeschritten ist, dass physikalische Therapiemaßnahmen, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente keinen Nutzen mehr bringen, bleibt als letzte Maßnahme nur der künstliche Gelenkersatz (Endoprothese). Für Interessierte sei hier folgender Link auf die Seite des Deutschen Arthrose Forums genannt:

Gelenkersatz des Kniegelenkes

Das Kniegelenk besteht aus drei Gelenkkompartimenten: einem inneren, zentralen und äußeren Kompartiment. Die Kniescheibe bildet ein Widerlager und gleitet über den Oberschenkelknochen. Prinzipiell ist ein isolierter oder kombinierter Verschleiß vom inneren oder äußeren Gelenkkompartiment sowie auch dem Kniescheibenwiderlager möglich. Erkennt man die Erkrankung früh genug und ist der Leidensdruck entsprechend, so kann man die einzelnen Kompartimente isoliert ersetzen, wie Abb. 2 und 3 zeigen.

Abbildung 2

Abb. 2: Isolierter Ersatz des Kniescheibenkompartimentes durch eine Femoropatellarprothese.

Abbildung 3

Abb. 3: Isolierter Ersatz des medialen Gelenkkompartiments durch mediale Schlittenprothese.

In den meisten Fällen ist die Erkrankung bei Diagnosestellung aber schon soweit fortgeschritten, dass alle drei Kompartimente betroffen sind und nur ein kompletter Oberflächenersatz in Frage kommt, wie es Abb. 4 zeigt.

Abbildung 4

Abb. 4: Kompletter Kniegelenkersatz durch Oberflächenersatzprothese.

Voraussetzung für einen Oberflächenersatz ist die Funktionsfähigkeit der Seitenbänder des Kniegelenks, und – je nach Prothesentyp – des hinteren Kreuzbandes. Sind diese Bänder nach Verletzungen oder durch die Dauer und das Ausmaß der sich entwickelnden Fehlstellung nicht funktionstüchtig, so muss auf einen höheren Kopplungsgrad der Prothese gewechselt werden. Der höhere Kopplungsgrad bedingt eine zusätzliche Verankerung des Impantats über Stiele.

Abbildung 5

Abb. 5: Höher gekoppelte Kniegelenke: links teilgekoppeltes Knie, rechts achsgeführtes Knie.

Im RKU werden jährlich mehr als 300 Kniegelenksendoprothesen implantiert. Wir dürfen deshalb von uns behaupten, dass wir über die große Expertise verfügen, die Sie von uns erwarten.

Wir halten ein großes Portfolio moderner und bewährter Prothesen vor, die sich, entsprechend den o.g. Ausführungen vom Prothesendesign unterscheiden. Innerhalb des Designs liegen verschiedene Ausführungen und verschiedene Größen vor, so dass wir je nach Krankheitsbild und persönlichen Wünschen für Sie eine individuelle Prothese finden.

Während Ihres ersten Besuches bei uns in der Ambulanz wird durch das persönliche Gespräch mit dem Arzt, die körperliche Untersuchung und anhand der Röntgenaufnahmen das Stadium der Arthose und Ihre persönliche Beeinträchtigung festgestellt. Bitte bringen Sie zu diesem Termin alle bereits durchgeführten Untersuchungen, alle Röntgen-, CT- oder MRT-Bilder, ggf. Arztbriefe bestehender Nebenerkrankungen oder einen etwaig vorhandenen Allergiepass etc. mit.

Sollte bei Ihnen eine Endoprothese in Frage kommen, wird durch Beurteilung verschiedener Faktoren der Prothesentyp aus dem o.g. Portfolio für Sie ausgesucht.

Stationäre Aufnahme und Operation

Am Vortag der Operation erfolgt die stationäre Aufnahme. Durch den Aufnahmearzt und den erfahrenen Operateur wird erneut die Indikation zur Operation abschließend geprüft und die Operation verhindernde Faktoren (z.B. akute Erkrankung) werden ausgeschlossen. Während der Aufnahme erfolgt auch die Aufklärung über die Operation, bei der erneut die Risiken der Operation mit dem Nutzen abgewogen werden. Die Risiken der Operation sollen auch hier nicht unerwähnt bleiben: sie sind im Wesentlichen die Blutung, der Bluterguss, die Infektion, die Nervenläsion, die Thrombose sowie die Embolie. Der stationäre Aufenthalt wird ca. 10 bis 14 Tage dauern. Anschließend wird eine Anschlussheilbehandlung (Rehabilitationsmaßnahme, kurz: Reha) empfohlen und für Sie eingeleitet.

Während des Eingriffes wird Ihr Gelenk gegen ein künstliches Gelenk ausgetauscht. Der Eingriff dauert etwa ein bis eineinhalb Stunden und kann in Allgemein- oder Teilnarkose durchgeführt werden. Welche Art der Narkose für Sie in Frage kommt, wird Ihr Narkosearzt mit Ihnen besprechen. Durch das prä- und intraoperative Blutmanagement der Anästhesieabteilung werden Fremdblutkonserven normalerweise nicht benötigt. Am ersten postoperativen Tag werden Sie auf die Normalstation verlegt wo mit der Mobilisierung begonnen wird. Während des stationären Aufenthaltes werden Sie einen sicheren und selbständigen Gang wiedererlernen – in der Regel ohne Belastungseinschränkungen. Ein Hauptaugenmerk liegt in der Wiederherstellung der Beweglichkeit des Kniegelenkes. Bis zur Entlassung sollte ein Bewegungsausmaß von voller Streckung und mindestens 90° Beugung, unabhängig vom präoperativen Befund, vorliegen.

Die Entlassung erfolgt, wenn Wund- und Weichteilverhältnisse regelhaft abgeheilt sind, Sie einen sicheren Gang erlernt haben, und keine medizinischen Gründe gegen eine Entlassung oder eine Verlegung in die Anschlussheilbehandlung sprechen.

Eigene Publikationen aus dem Bereich Endoprothetik

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