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Multimodale Schmerztherapie am RKU Ulm

Willkommen in der Schmerztherapie der orthopädischen Universitätsklinik Ulm am RKU. Mit 12 intensiv interdisziplinären Plätzen und dem ambulanten Sprechstundenangebot gehört unsere Schmerzeinheit mit dem Fokus auf Schmerzen des Bewegungsapparats zu den größten Multimodalen Schmerztherapien in Baden-Württemberg. Die folgende Seite bietet Ihnen einen Überblick über die Krankheitsbilder und die durchgeführten Behandlungen.

Schmerz - unsere Spezialgebiete

Durch die Ausrichtung unseres Hauses fokussieren wir auf Schmerzen am Bewegungsapparat, vor allem Rückenschmerzen, Postamputationsschmerzen und Schmerzen bei Querschnittsverletzungen.

Dank der engen Kooperation von verschiedenen Disziplinen, sprich Universitätsklinik für Orthopädie, Neurologie, Sektion Schmerztherapie der Universitätsklinik für Anästhesiologie, der Psychosomatik, sowie unserem Querschittszentrum und der Rehabilitationsmedizin bietet unsere Schmerztherapie eine qualitativ und quantitativ hochwertige Versorgung an. Einige Beispiele: Das RKU verfügt über eines der stärksten rehabilitativen Apparate Deutschlands. Durch die enge Anbindung ist es uns nicht nur möglich, dem Patienten während des Aufenthalts die bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen, sondern auch eventuelle Rehabilitationsmassnahmen zur Stabilisierung oder Reintegration ins Berufsleben zu planen und durchzuführen. In Bezug auf interventionelle Schmerztherapie sind wir ebenfalls sehr stark. Mit über 3000 durchgeführten interventionellen Verfahren im Jahr, der apparativen Ausstattung (Durchleuchtung, Sonographie, Computertomographie) wird nicht nur Qualität, sondern auch ein hohes Maß an Sicherheit für unsere Patienten gewährleistet. Nicht zu vernachlässigen sind die Möglichkeiten der orthopädisch-neurologischen Diagnostik von zwei renommierten Universitätsdepartments.

Welche Patienten kommen zu uns?

Es sind zum einen Patienten, die eine Beratung wünschen, und zum anderen Patienten, welche einer intensiven Schmerztherapie bedürfen. Meistens sind es Patienten mit lang andauernden, hartnäckigen Schmerzen, welche schon mehrere konservative Behandlungen oder gar Operationen hinter sich haben.

Unser Team

Das interdisziplinäre Team setzt sich aus Vertretern verschiedener Fachbereiche zusammen.

Schmerz als eigenständiges Krankheitsbild

Lang anhaltender Schmerz wird mit der Zeit- unabhängig von der ursprünglichen Ursache- zum eigenständigen Krankheitsbild, welches alle Lebensbereiche eines Menschen beeinflusst. Neben Schonhaltung, Angst vor Bewegung, Frustration wegen fehlgeschlagenen Behandlungen, kann der Schmerz zu Vermeidungshaltung, körperlichem Abbau, eingeschränkter Leistungsfähigkeit, aber auch zu sozialem Rückzug, Schlafstörung und weiteren Einbußen im privaten sowie beruflichen Leben führen. Diese Faktoren müssen bei der Behandlung berücksichtigt werden.

Was bedeutet "multimodale" Schmerztherapie?

Unter einer multimodalen Schmerztherapie bei versteht man die gleichzeitige, inhaltlich eng
aufeinander abgestimmte Behandlung chronischer Schmerzen durch unterschiedliche therapeutische Disziplinen wie Ärzten, Psychologen/ Psychotherapeuten, Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, physikalischer Therapie und weiteren Disziplinen:

  • Ärztliche Beratung
  • Medikamentöse Therapie
  • Injektionstherapie
  • Rückenschule
  • Physiotherapie
  • Psychologische Ther.
  • Traktionstherapie
  • Bewegungsbad
  • Nordic Walking
  • Gerätetraining
  • Ergotherapie
  • Massage, TENS
  • Wärmeanwendungen
  • Entspannungstherapie
  • Kunsttherapie
  • Sozialmedizin
  • Qigong


Zentrales Behandlungsziel ist die Wiederherstellung der objektiven und subjektiven Funktionsfähigkeit (functional restoration) mit Steigerung der Kontrollfähigkeit und des Kompetenzgefühls der Betroffenen sowie eine Schmerzreduktion.
Übende, schulende sowie entspannende Komponenten wechseln sich hierbei ab. Es handelt sich um eine sehr intensive Behandlung, welche die Aktivität und Motivation des Patienten voraussetzt.

Ärztliche Betreuung (Visiten)

Die Visiten finden bei uns grundsätzlich zweimal täglich statt. Dies bietet die Möglichkeit eines engeren Arzt-Patientenkontaktes, um Fragen zu klären, Probleme anzusprechen, Medikamente einzustellen, und die Behandlung zu modifizieren. Damit das Gespräch in einer entspannten und vertraulichen Atmosphäre stattfindet, erfolgt die Visite immer individuell im Visitenzimmer (Zimmer 1.024) und nicht wie in den anderen Krankenhäusern am Bett (wo mehrere Menschen zuhören).

Interventionelle Schmerztherapie

Hierzu zählen diagnostische und therapeutische Injektionsverfahren. Obwohl sie keinen zentralen Therapiebaustein darstellen, sind diese in manchen Fällen hilfreich, um den Akutschmerz zu durchbrechen und dem Patienten eine aktive Teilnahme am intensiven Programm zu ermöglichen. Näheres zur Injektionstherapie finden Sie im Abschnitt Interventionelle Verfahren.

Physiotherapie

Ziel der Behandlung ist neben einer Aktivierung die Verbesserung der Haltung, der Körperwahrnehmung, Koordination und der Schmerzen. Die Einheiten erfolgen in Gruppen und Individuell, wobei das Hauptaugenmerk auf Individualbehandlung gerichtet ist. Das bedeutet, dass Sie ein Physiotherapeut im Aufenthalt begleitet und mit Ihnen Termine für Einzelsitzungen ausmacht. Hierzu gehören Rücken-schulende-Maßnahmen, Bewegungs- und Haltungskorrekturen, sowie Anleitungen zum selbständigen Üben, Problemlösungen, Schlingentisch- und Traktionstherapie. Training in Gruppen erfolgt beispielsweise beim Nordic walking im Außenbereich, bei dem sämtliche Muskelgruppen harmonisch aktiviert werden und mit einem schnellen Spaziergang kombiniert werden.

Psychologische Mitbetreuung

Ziel der psychologischen Mitbehandlung ist das Erlernen von Schmerzbewältigungsstrategien sowie der Umgangs mit Schmerz. Da der Schmerz den Alltag eines jeden Patienten deutlich beeinträchtigt, "färbt" dieser auf das Befinden des Menschen ab und hinterlässt körperliche, aber auch seelische Spuren. Hier wird aktiv nach Lösungen gesucht. Die psychologische Mitbetreuung erfolgt sowohl in Gruppensitzungen (Entspannungsraum Stat. H), aber auch in Einzelgesprächen (Zimmer 1.024, Station A), bei denen man in vertraulicher Atmosphäre auf  Probleme eingehen kann.

Entspannungstherapie

Ziel der Entspannungstherapie ist der Abbau von Verspannung, Stress und Schmerz. Sie wird meist in Gruppensitzungen (Entspannungsraum, Station H) durchgeführt. Meistens wird mit Musik und Imaginationstechniken gearbeitet.

Physikalische Maßnahmen

Hierzu gehören Strom-, Wärme- und Massageanwendungen. Diese Maßnahmen erfolgen begleitend und sollen die angespannte Muskulatur beleben, den Blutfluss verbessern und Schmerzen lindern. Da es sich um passive Maßnahmen handelt, bei denen der Patient nichts tun muss, ist deren Anzahl im Rahmen des Schmerzprogramms begrenzt.

Bewegungsbad

Das Bewegungsbad dient der Aktivierung und Übung, hat aber auch entspannende Wirkungen. Der Auftrieb des Wassers erleichtert vor allem bei degenerativen muskuloskelettalen Erkrankungen das Bewegen, indem die Gelenke nicht die gesamt Schwerkraft tragen müssen.

Sporttherapie

Die medizinische Trainingstherapie, auch Sporttherapie genannt, soll Ihnen helfen, die stabilisierende Rumpfmuskulatur zu aktivieren und zu stärken. Somit trägt diese nicht nur zu einer Verbesserung der Kondition, sondern auch Koordination und Haltung. Gleichzeitig erfolgt durch die stufenweise Belastungssteigerung eine körperliche und seelische Rekonditionierung: Abbau von Ängsten vor Bewegung und Aktivität - Verbesserte Fitness - Verbesserte Belastbarkeit.

Ergotherapie

Hier werden Maßnahmen zur Verbesserung der Funktion im beruflichen und privaten Umfeld erlernt und eingeleitet. Diese reichen vom Erlernen des richtigen Sitzens am Computerarbeitsplatz bis hin zu Versorgung mit Hilfsmitteln. Jeder Patient bekommt hierbei eine individuelle Einzelberatung, die auf sein Leben abgestimmt wird.

Kunsttherapie

Hier bekommen die Patienten die Möglichkeit "sich auszuleben". Gleichzeitig bietet die Kunsttherapie eine Form von Entspannung und Reflexion. Durchgeführt wird diese Maßnahme von erfahrenen Kunsttherapeutinnen in Gruppensitzungen (Entspannungsraum, Station H).

QiGong


Dies ist eine meditative asiatische Kunst, welche mit langsamen und harmonischen Bewegungen durchgeführt wird. Sie fördert die Körperwahrnehmung, Balance und Entspannung.

Im Bild: krankengymnastischer Behandlungsraum (links oben), Räumlichkeiten der medizinischen Trainingstherapie (rechts oben), Bewegungsbad (links unten), Computertomographie- Interventionsraum (rechts unten)

Unser Team

Ärzte:
Dr. Juraj Artner, Leitung Schmerztherapie
Dr. Karin Hadas

Psychologin:
Jeanette Remlinger

Pflege:
Melitta Moslavac

Physiotherapie:
Claudia Geiges
Eberhard Nill
Barbara Hamich
Saskia Erfle
Petra Mayer
Cäcilia Römer
Petra Teubner

Physikalische Therapie:
Maria Marchese-Fischer

Sporttherapie:
Dirk Englisch

Ergotherapie:
Jeanette Hüfner

Kunsttherapie:
Gabriele Florak-Skrobanek
Felicitas Öhlser

Sozialmedizinischer Dienst:
Fr. Trautmann

Chi Gong:
Christian Ventura

Interventionelle Verfahren (Injektionen)

Die Injektionstherapie wird seit Jahrzehnten in der Schmerztherapie und Orthopädie sowohl zur Diagnostik als auch zur Behandlung von Schmerzen erfolgreich genutzt. Der folgende Beitrag soll Ihnen einen Überblick über die häufigen Injektionsverfahren und deren Ablauf verschaffen.

Warum macht man Injektionen?

Bei korrekter Durchführung stellt die Injektion ein sicheres Verfahren dar, um schmerzlindernde Substanzen an den Ort der Schmerzentstehung zu bringen. Hierbei handelt es sich entweder um lokale Betäubungsmittel, sogenannte Lokalanästhetika, oder um eine Mischung aus Lokalanästhetika und einem Kortisonpräparat. Injektionen bringen dabei keine Heilung, sondern sollen nur den akuten Schmerz abfangen, um Ihnen die Teilnahme am intensiven Programm zu ermöglichen. Wichtig ist die Kombination mit aktivierenden Maßnahmen. Mit einer Injektion kann man nichts "wegspritzen", sondern nur vorübergehend dämpfen. Die Zeit nach der Injektion muss man aber nutzen, um selbst aktiver zu werden (Rückenschulung, Physiotherapie, Bewegungsbad, Walking)- weil die aktiven Maßnahmen sind die, welche man langfristig auch Zuhause ausüben kann.

Muss man eine Injektion bekommen?

Auf keinen Fall. Eine Injektion ist kein muss. Da bei zahlreichen schmerzhaften Zuständen Faktoren wie muskuläre Dysbalance, Überlastung, Fehlhaltung usw. eine Rolle spielen und diese sehr gut auf Physiotherapie und physikalische Maßnahmen ansprechen, ist eine Injektion häufig gar nicht nötig. Die Entscheidung zu einer Injektionstherapie wird kritisch abgewogen und zwischen Ihnen, dem Arzt beziehungsweise dem behandelnden Team abgesprochen.

Wie wirken Lokalanästhetika und das Kortison?

Die Lokalanästhetika sind Medikamente, welche Nerven betäuben. Da die Nervenstrukturen wie Stromkabel die Schmerzen leiten, ist die Dämpfung dieser Leitung das Ziel der Lokalanästhesie. Kortison hat einen antientzündlichen und abschwellenden Effekt. Da die Ursache der Schmerzen häufig von gereizten Strukturen ausgeht, hilft das Kortison, die Schmerzen zu dämpfen.

Wohin genau wird injiziert?

Je nach Beschwerdebild kann an verschiedene Strukturen injiziert werden. Bei Rückenschmerzen können es schmerzhafte Muskelverhärtungen sein (sog. Triggerpunkte), kleine Wirbelgelenke, gereizte Nervenwurzeln oder der Wirbelkanal sein. Die Art der Schmerzen entscheidet, welche Injektion am vorteilhaftesten ist.

Wie erfolgt die Injektionstherapie?

Grundsätzlich erfolgt die Entscheidung zu einer Injektion im gemeinsamen Gespräch mit dem Arzt und Therapeuten. Hier kann der Grund und die Art der Injektion besprochen werden und der Zeitpunkt festgelegt werden. Für die richtige Indikationsstellung ist es wichtig ihre Medikamente sowie alle Nebenerkrankungen und Allergien zu kennen. Manche Medikamente müssen vor der Injektion abgesetzt werden.

Die meisten Injektionen erfolgen unter Zuhilfenahme von bildgebenden Verfahren wie Röntgen, Sonographie oder Computertomographie. Dies hilft uns, die Prozedur schnell und präzise durchzuführen. Daher finden die meisten Injektionsverfahren in der Röntgenabteilung (Erdgeschoss) statt. Der Patient begibt sich zum vereinbarten Zeitpunkt (diesen macht man bei der täglichen Visite aus) in die Röntgenabteilung und meldet sich am Patientenschalter. Von hier aus wird er zu einem der Interventionsräume navigiert.

Der Interventionsraum ist ein reiner Raum, welcher mit entsprechenden Geräten, Patientenliege, sowie den Injektionsbedarf ausgestattet ist. Der Patient wird von der medizinisch technischen Assistentin angeleitet und auf einer Liege platziert. Die Injektionsstelle wird entkleidet, und anschließend desinfiziert.
Ein Rasieren von behaarten Stellen ist vor der Prozedur nicht notwendig. Da viele Injektionen in Bauchlage stattfinden, sollte man unmittelbar vor der Injektion möglichst auf große Mahlzeiten verzichten. Auch auf Injektionen unmittelbar nach Wärmeanwendungen sollte man wegen erhöhter Gewebedurchblutung verzichten.

Unter Zuhilfenahme des entsprechenden bildgebenden Verfahrens wird vom Arzt anschließend der Zielort der Injektion festgelegt. Anschließend erfolgt die Punktion der Nadel durch die Haut, langsames, kontrolliertes Vorschieben der Nadel, sowie Injektion des Medikaments an die Zielstruktur. Diese Prozedur wird je nach Anzahl der Zielstrukturen ein bis sechs mal wiederholt.



Wichtig: Falls Sie Angst oder unangenehme Erfahrungen mit Interventionen haben, sprechen Sie dies bitte ruhig bei uns an. In der Regel sind die Patienten eher angenehm überrascht, weil sie das Unbekannte fürchten und sich die Prozedur schlimmer vorstellen.


Auf was muss ich während und nach der Spritze achten?
Obwohl die Injektionen mit höchster Präzision und Sorgfalt durchgeführt werden und Nebenwirkungen oder Komplikationen sehr selten sind, sollte man nach einer Injektion erst mal im Wartebereich für ca 30 min verweilen.



Wann sollte man auf Injektionen verzichten?
Grundsätzlich sollte die Injektionsbehandlung nicht überreizt werden. Da es sich um eine invasive Maßnahme handelt (und jede invasive Maßnahme birgt Risiken) und der Körper nicht mit Kortison überladen werden sollte, ist die Anwendung von Injektionen begrenzt. Ein weiterer wichtiger Punkt, den man erwähnen muss ist, dass Injektionen passive Maßnahmen sind und diese alleine wenig wirksam sind. Patienten, welche in ihrer Schmerzkrankheit weit fortgeschritten sind, Patienten mit komplexen Schmerzbildern (keine eindeutige schmerzhafte Struktur identifizierbar oder zuviele Lokalisationen) sowie Patienten, welche nur passive Maßnahmen wollen (Spritze, Massage, Wärme) sollten keine Injektionen erhalten.
 

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