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Schulterchirurgie

Einleitung

Das Schultergelenk zeichnet sich im Vergleich zu anderen Gelenken durch seinen hohen Bewegungsumfang aus. Nicht zuletzt deshalb haben Muskeln, Sehnen und Bänder am Schultergelenk eine hohe Bedeutung. Durch einen Unfall oder durch hohe, lang anhaltende Beanspruchung können diese in Mitleidenschaft gezogen werden. Wir verfolgen sowohl konservative als auch operative Therapieansätze. Im Vordergrund der operativen Versorgung stehen arthroskopische Eingriffe (Gelenkspiegelungen über kleine Hautschnitte, sog. Schlüsselloch-Operationen), offene rekonstruktive Verfahren sowie Endoprothesen-Operationen (künstlicher Gelenkersatz).

Ansprechpartner

  • Prof. Dr. med. Thomas Kappe
    Prof. Dr. med. Thomas Kappe
    Leitender Oberarzt
  • Dr. med. Mirco Sgroi
    Dr. med. Mirco Sgroi
    Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie

Sprechstundentermine

Sport- und Arthroskopiesprechstunde
  • Montags von 8:30 bis 16:00 Uhr
  • Dienstags von 8:00 bis 10:00 Uhr und 10:30 bis 12:40 Uhr

Einen Sprechstundentermin können Sie zeitnah durch einen Anruf bei unserem Patientenservice unter der Nummer 0731 – 177-2000 erhalten.

Zur Vorstellung in der Sprechstunde sollten alle Unterlagen inklusive Bildgebung (auch im Verlauf) mitgebracht werden, um Doppeluntersuchungen oder Verzögerungen zu vermeiden

Engpasssyndrom (Impingementsyndrom)

Beim subacromialen Impingementsyndrom kommt es durch einen Verlust der muskulären Führung und dynamischen Stabilisierung des Schultergelenkes zu einer Reizung des Schleimbeutels unter dem Schulterdach.

Die Therapie besteht in erster Linie aus Krankengymnastik und der Einnahme von Schmerzmitteln. Reicht dies nicht, können Cortisonspritzen in den Schleimbeutel verabreicht werden. Wenn auch diese nur vorübergehend Linderung verschaffen, kann eine arthroskopische Operation, die sog. subacromiale Dekompression, durchgeführt werden, bei der zum Einen der gereizte Schleimbeutel ausgeräumt und zum Anderen die knöcherne Unterfläche des Schulterdaches begradigt wird, um der darunterliegenden Sehne mehr Platz zu verschaffen.

Abbildung 1

Abb. 1: Arthroskopische subacromiale Dekompression und Acromioplastik.

Riss der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur)

Die Rotatorenmanschette umgreift mit ihren Sehnen den Oberarmkopf und stabilisiert ihn in der Schultergelenkspfanne. Sie besteht aus vier Muskeln, von denen der Supraspinatusmuskel und seine Sehne am häufigsten betroffen sind. Ein Riss der Rotatorenmanschette kann ein subacromiales Impingementsyndrom begleiten oder nach einem Unfall (z.B. Sturz auf den nach hinten ausgestreckten Arm) entstehen. Je nach Größe und Alter der Ruptur ist eine Naht des Risses möglich. Dabei wird die ausgerissene Sehne am Knochen über sog. Fadenanker befestigt. Die Operation kann je nach Lage und Größe arthroskopisch oder offen („mini-open") durchgeführt werden. Unabhängig vom Operationsverfahren ist eine sechswöchige Ruhigstellung nach der Operation erforderlich, um die Einheilung der Sehne an den Knochen zu ermöglichen.

Abbildung 2

Abb. 2: Bild einer Rotatorenmanschettenruptur.

Abbildung 3

Abb. 3: Arthroskopische Naht der Rotatorenmanschettenruptur.

Kalkschulter (Tendinosis calcarea)

Bei der Tendinosis calcarea kommt es aus letztlich ungeklärter Ursache zu einer Kalkeinlagerung in die Sehnen der Rotatorenmanschette (Muskelmantel, der den Oberarmkopf umspannt). Häufig macht sich der Kalk nicht oder erst spät bemerkbar: entweder weil er den Raum unter dem Schulterdach, ähnlich wie beim Impingementsyndrom, einengt, oder weil sich der Kalkherd langsam auflöst. Letzteres kann einige Wochen dauern und u.U. quälende Schmerzen verursachen, die eine arthroskopische Operation erforderlich machen.

Abbildung 4

Abb. 4: Großer Kalkherd (Pfeile) in der Supraspinatussehne.

Schultereckgelenks-Sprengung

Das Schultereckgelenk (ACG) verbindet Schlüsselbein und Schulterdach. Bei einem Sturz auf den ausgestreckten Arm oder direkt auf die Schulter können die Bänder, die das Gelenk stabilisieren, reißen. Je nach dem, wie viele der Bänder reißen, kann eine Operation erforderlich werden, bei der die Bänder genäht und das Schlüsselbein durch z.B. eine Hakenplatte vorübergehend befestigt werden. Die Platte wird nach zwölf Wochen entfernt, danach ist eine freie Bewegung und Belastung der Schulter wieder möglich.

Schultereckgelenks-Arthrose

Nach einer Schultereckgelenkssprengung oder durch Verschleiß kann es auch im Schultereckgelenk zur Arthrose kommen. Meist kann durch physikalische Therapiemaßnahmen (Wärme/Kälte, Gel-Iontophorese) oder Cortisonspritzen zumindest vorübergehend eine Beschwerdelinderung herbeigeführt werden. Halten die Beschwerden dennoch an, kann durch eine arthroskopische oder auch offene Operation (über einen kleinen Hautschnitt) das äußere Ende des Schlüsselbeines entfernt und die Schmerzen dadurch meist langfristig gebessert werden

Verletzungen der langen Bizepssehne

Beim kraftvollen Heben kann die Bizepssehne reißen, vor allem wenn sie bereits vorgeschädigt war. Meist bereitet ein vollständiger Ausriss der Sehne von der Schulterpfanne langfristig keine Beschwerden. Anders der Teilriss, bei dem ein Teil der Sehne intakt bleibt. Ausstrahlende Schmerzen von der Schulter in den Oberarm können die Folge sein. Bringen konservative Maßnahmen (Krankengymnastik, Gel-Iontophorese) keine Besserung, kann durch eine vollständige Durchtrennung oder durch eine Tenodese (Festnähen der Sehne am Oberarmkopf und Entfernen des Gelenkanteils der Sehne) eine Besserung herbeigeführt werden.

Abbildung 5

Abb. 5: Bild einer gereizten, aber intakten langen Bizepssehne.

Schulterausrenkung (Luxation) und Schulterinstabilität

Meist kommt es im Rahmen eines Sportunfalls zum Auskugeln der Schulter. Viele Patienten benötigen nach dem Einrenken der Schulter keine Operation; sind aber ausgedehnte weichteilige oder insbesondere knöcherne Verletzungen entstanden, muss das Schultergelenk operativ stabilisiert werden. Meist kann dies durch eine arthroskopische Operation erfolgen, in einigen Fällen ist jedoch eine offene Operation notwendig, bei der ein Muskel (Subscapularis) vorübergehend vom Knochen abgelöst und am Ende der Operation wieder festgenäht wird. Daher muss nach einem offenen Eingriff die Schulter für sechs Wochen in einer Schlinge ruhiggestellt werden, um den Muskel zu schonen und der Sehne Zeit zum Einheilen zu geben. Nach arthroskopischen Operationen ist die Ruhigstellung kürzer.

Schultersteife („frozen shoulder“)

Nach Unfällen, Operationen oder ohne äußere Ursache kann die Kapsel des Schultergelenkes vernarben und die Beweglichkeit der Schulter erheblich einschränken. Meist ist die Erkrankung zwar vorübergehend, sie kann aber in der Anfangsphase Schmerzen bereiten und lange Jahre andauern. Erbringen krankengymnastische Maßnahmen, physikalische Therapie und Medikamente keine ausreichende Linderung, kann über eine arthroskopische Operation die Kapsel gelöst und so die Beweglichkeit der Schulter verbessert werden.

Abbildung 6

Abb. 6: Bild einer arthroskopischen Kapsellösung.

Arthrose des Schultergelenkes (Omarthrose)

Die Arthrose des Schultergelenkes (Knorpelverschleiß) führt zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Während in frühen Stadien manchmal eine arthroskopische Operation Linderung verschaffen kann, ist dies in fortgeschritteneren Fällen nur durch eine Endoprothese möglich. Bei der Schulter haben sich hier der Oberflächenersatz und die Totalendoprothese bewährt. Da bei der Operation ein Muskel (Subscapularis) vorübergehend abgesetzt und am Ende der Operation wieder am Knochen befestigt wird, muss die Schulter für sechs Wochen nach der Operation in einer Schlinge auf einem Kissen teilweise ruhiggestellt werden.

Abbildung 7

Abbildung 8

Abb. 7 und 8: Röntgenbilder eines Oberflächenersatzes (links) und einer Schultertotalendoprothese (rechts)

Arthrose mit Riss der Rotatorenmanschette (Cuff-Arthropathie)

Liegen eine Arthrose des Schultergelenkes und ein großer Riss der Rotatorenmanschette vor und ist wegen der Schmerzen in der Schulter und der Schwäche im Arm eine Operation erforderlich, so hat sich die inverse Prothese bewährt. Dabei werden Kugel und Pfanne des Gelenkes vertauscht, um den gesunden Muskeln die Möglichkeit zu geben, die Funktion der gerissenen Muskeln zu ersetzen. Die Nachbehandlung gleicht der „normalen" Endoprothese der Schulter.

Rheumatoide Arthritis

Trotz der Fortschritte der modernen Medikamentenbehandlung der rheumatoiden Arthritis wird das Schultergelenk meist befallen und im Laufe der Jahre zerstört. In Frühfällen kann eine Art Impingementsyndrom auftreten, das wie oben beschrieben arthroskopisch behandelt werden kann. Ist die Zerstörung zu stark fortgeschritten, kann auch beim Rheuma durch eine Endoprothese der Schmerz gelindert und die Funktion der Schulter verbessert werden.

Bruch des Oberarmkopfes und Folgezustände

Häufig können Brüche des Oberarmkopfes nicht ohne Operation behandelt werden. Durch moderne winkelstabile Plattensysteme ist die Nachbehandlung aber meist kürzer. Verheilt ein Bruch in Fehlstellung und/oder entwickelt sich nach dem Bruch eine Arthrose des Schultergelenkes, muss in einer zweiten Operation manchmal eine Endoprothese eingesetzt werden. Bei bestimmten Bruchformen muss bereits bei der ersten Operation der gebrochene Oberarmkopf durch eine Endoprothese ersetzt werden. Die Art der Erst- und Folgeversorgung hängt vom Zustand der Weichteile und dem Einheilverhalten der Knochenfragmente ab und muss häufig im Einzelfall entschieden werden.

Eigene Publikationen zum Thema

  • Kappe T. Bildgebung am Schultergelenk. Was brauchen wir zur Indikation und zur operativen Planung? Current congress 2016; 14
  • Kappe T, Knappe K, Elsharkawi M, Reichel H, Cakir B. Predictive value of preoperative clinical examination for subacromial decompression in impingement syndrome. Knee Surg Sports Traumatol Arthrosc 2015; 23(2):443-448
  • Elsharkawi M, Cakir B, Reichel H, Kappe T. Reliability of radiologic glenohumeral osteoarthritis classifications. J Shoulder Elbow Surg 2013; 22(8):1063-1067
  • Krischak G, Gebhard F, Reichel H, Friemert B, Schneider F, Fisser C, Kaluscha R, Kraus M. A prospective randomized controlled trial comparing occupational therapy with home-based exercises in conservative treatment of rotator cuff tears. J Shoulder Elbow Surg 2013; 22(9):1173-1179
  • Kappe T, Cakir B, Lippacher S, Reichel H, Elsharkawi M. Intraarticular lesions in calcifying tendinitis: incidence and association with the acromion index. Arch Orthop Trauma Surg 2011; 131(3):325-329
  • Kappe T, Elsharkawi M, Reichel H, Flören M. Cemented humeral surface replacement for a locked posterior fracture-dislocation: a case report. J Orthop Trauma 2011; 25(9):e90-93
  • Kappe T, Cakir B, Reichel H, Elsharkawi M. Reliability of radiologic classification for cuff tear arthropathy. J Shoulder Elbow Surg 2011; 20(4):543-547
  • Kappe T, Elsharkawi M, Flören M, Reichel H, Cakir B. Plain radiographs have limited sensitivity for glenohumeral cartilage lesions. Orthopedics 2010; 33(5):304
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